Philip Armstrong

Molly

‚Molly, die wundersame Musiktheoretikerin‘ für großes Orchester wurde 2017 als Begleitstück zum symphonischen Gedicht „Die Ideale“ von Franz Liszt geschrieben, welches Liszt mit der Staatskapelle Weimar erstmals bei der Enthüllung der Goethe und Schillerdenkmal am Weimarer Theaterplatz 1857 aufführte.

Das Liszt-Stück ist inspiriert von Passagen aus dem gleichnamigen Gedicht von Friedrich Schiller sowie vom klassischen Schönheitsideal und einer Darstellung des antiken griechischen Mythos von Pygmalion über den Bildhauer, der sich in die von ihm geschnitzte Statue verliebt hat. In ähnlicher Weise befasst sich Philip Armstrongs Stück mit Schillers Theorie des künstlerischen Geschmacks und der künstlerischen Freiheit, wie er 1794 in „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ beschreibt.

Musaeus

Um diese Ideen weiterzuentwickeln, wurde Philip Armstrongs Stück in Verbindung mit einem Drama geschrieben, in dem Molly, die wundersame Musiktheoretikerin, ein Gespräch mit dem Weimarer Musäus führt. Das Drama mit Mary, der Superwissenschaftlerin, ein Gedankenexperiment, das Frank Jackson in seinem 1982 geschriebenen Artikel "Epiphenomenal Qualia" vorgeschlagen hat, schafft dabei die Verbindung. Die farbenblinde Mary wusste alles über die Wissenschaft und die empirische Fakten zur Lichtwahrnehmung. Sie kannte die Physik der Photonen und die Neurobiologie der Wahrnehmung. Doch als eines Tages eine Operation ihre Sehkraft wiederherstellte und sie zum ersten Mal Farbe erlebte, stellte sie plötzlich fest, dass sie trotz ihres umfassenden Wissens über die physische Welt nicht in der Lage war, das „Gefühl“ der Erfahrung von Farbe zu erklären. Jacksons Gedankenexperiment zielte darauf ab, die Kohärenz einer Reduktion von bewusster Erfahrung und Wissen auf nicht-physikalische Eigenschaften herzustellen. In ähnlicher Weise versucht der Weimarer Musaeus zu demonstrieren, dass Molly, die wundersame Musiktheoretikerin, Musik nicht vollständig beschreiben kann, ohne auf eine Darstellung der phänomenalen und ästhetischen Erfahrung der Musikwahrnehmung zurückzugreifen.

Idealismus

Im Verlauf des Dramas appelliert Musäus an das Weimarer Erbe der metaphysischen Lehre, um einen idealistischen Ansatz zur Begründung der Wahrheitsbedingungen zu bekräftigen. So wie Schiller einen regulativen Ansatz benutzte, um zu behaupten, dass Ästhetik Ethik beinhaltet, tut Musäus dasselbe. Hypothesen sind in Bezug auf die zweidimensionale Semantik, die Bayessche Wahrscheinlichkeit und die Modalität durch die Theorie möglicher Welten gerechtfertigt. Musäus verwendet David Chalmers These aus dessen 2012 verfassten „Constructing the World“, um die Beziehung zwischen sprachlichen Ausdrücken und notwendigem Gehalt zu untersuchen und in der Folge eine ontologische Äquivalenz zwischen den Bereichen Physikalismus und phänomenaler Erfahrung und entsprechend zwischen Musikformalismus und Musikästhetik zu rechtfertigen. So wie Schillers Gedicht in der Liszt-Partitur zitiert und musikalisch nachempfunden wird, so wird das Drama, das den Weimarer Musäus und Molly, die wundersame Musiktheoretikerin, verbindet, in Philip Armstrongs Musik übernommen. Obwohl es programmatisch nicht in der Art Liszts ist, emuliert es eine naturalistische Dualität, die musikalischen Ausdruck und universelle Essenz verbindet und Ontologien für Körper und Geist beinhaltet.